
Christoper Riedel in Schwerte. Foto: Andrea Reinecke
Schwerte. Innerhalb der Klimawoche, sie läuft noch bis zum 15. Mai, findet auch die Lebenshaltung der Veganer ihren Raum. Was der Fleischkonsum mit der Klimaveränderung zu tun hat, erklärte Christopher Riedel für die Gruppe „Vegan in Schwerte“ am Abend bei einem Vortrag in der VHS. Büchertisch und Häppchen inklusive.
Es ist Zufall, aber auch bezeichnend: Während Christopher Riedel, von Hause aus Gartenbauingenieur, mit dem Vortrag im Atelierraum beginnt, startet auch David Volke seine Kochshow unten auf dem Hof. Auf dem kleinen Markt lernt eine Busladung Männer, wie man richtig mit den neuen Grillmethoden zum sommerlichen Ziel kommt. Der Workshop unten ist gut besucht, im Atelierraum trefft sich die kleine Gemeinde der Veganer und bleibt weitestgehend unter sich.
Dabei sind die Folien und Grafiken des Abends schlüssig und ebenso zwingend wie umfassend. Riedel führt durch die weltumspannenden Geflechte und Mechanismen aus Nahrungsproduktion und wirtschaftlichen Zwängen. Fleisch ist elitär, Fleisch ist teuer, Fleisch ist nicht nötig, um dynamisch und aktiv den Körper zu entwickeln. Riedle baut gleich mehrere Argumentationsstränge aus. Der Tierschutz („Auch Biofleisch ist für die Tiere nicht sinnvoll“), der Klimawandel (Bemerkenswert: Die „Abgase“ der Tiere sind dabei schädlicher als der CO2 Ausstoß) und auch der sportliche Faktor („Ich kann härter trainieren und regeneriere schneller“) lassen die Logik erkennen. Der Klimawandel wird dabei festgestellt und nicht bewertet. Riedel entspricht dabei schon optisch dem Vorurteil des veganen, kosmopolitisch denkenden Hippsters 2.0: smart, sportlich, intelligent und technikafin. Vegan ist für ihn auch deutlich mehr als Nahrungsaufnahme sondern politisches Statement, eine Form der Lebensoptimierung und eine Antwort auf die Fragen der Zeit.

Mit Folien wie diesen arbeitete Christopher Riedel.
Abschied vom Sonntagsbraten
Es ist der anschließende kurze Film der Autorin Karen Duve, der die Diskrepanz und Schwierigkeiten in der Vermittlung deutlich macht und auch einen Erklärungsversuch liefert, warum die Umsetzung nicht immer einfach ist. Sie beschreibt im Selbstversuch ihre Erfahrungen und macht anschaulich: Wer genau hinschaut, der weiß bereits im Vorfeld ganz dumpf, möglicherweise muss dann auch eine Konsequenz gezogen werden. „Dafür habe ich nun zu viel gesehen!“ Ob der Kopf und die Logik dann siegt? Nahrungsaufnahme ist immer mehr als nur Vitamin und Nährstoffzufuhr.
Die Veganer im Raum fühlen sich wohl eher als Weltbürger und mündige Menschen. Die Absage an den Sonntagsbraten und die Rinderroulade ist auch eine Absage an gewohnte Traditionen und der Wunsch nach einer neuen Weltsicht. Erfolgreich wird das erst dann, wenn nicht Verzicht und negative Konnotation im Vordergrund steht, sondern Genuss- und Gemeinschaftsgefühl herübergerettet wird in eine neu Art der Lebens- und Essweise. Auch Anja Böckenbrink, die Klimabeauftragte der Stadt, macht mit Blick auf alle Themen der Klimawoche klar: „Eine Umstellung muss mit einem Mehrwert verbunden sein. Zwang bringt gar nichts. Das gilt für das Radfahren, wie für Solarthemen oder Ernährungsfragen.“ Und während sich unten auf dem kleinen Markt die Männer die nächsten Gerichte auf dem Grill zubereiten, servieren oben die Veganer Pasten und Dips mit frischem Fladenbrot und kommen in die Diskussion.
Dips, Obst und Weltessen
Wie lassen sich Menschen erreichen? Wie können wir überzeugen und Zusammenhänge klar machen? Der Brunch am Sonntag ab 11 Uhr auf dem großen Markt soll als Einladung an alle Schwerter zum Mitmachen verstanden werden. Auch dann soll der Tisch reich gedeckt sein und die Gruppe, die sich alle zwei Wochen am Dienstagabend im Café Herrlich trifft, freut sich auf Gäste. Die Lebensweise der Fruttaria, Menschen die nur die Früchte der Pflanzen essen und auch diese nicht „töten“ wollen, kann dann ebenfalls durchgesprochen werden, wie die Frage, ob die neue Paste mit Frühlingszwiebeln noch besser schmeckt und ob es in Ordnung ist, wenn Veganer „Wurstersatzwaren“ essen. Schmecken, sprechen und genießen soll das Motto ab 11 Uhr sein. „Herzliche Einladung an alle,“ so Christopher Riedel.